9. August 2020

THE VIGIL – DIE TOTENWACHE

Von Marco Schilke

Mit seinem Erstlingswerk konnte Keith Thomas nicht nur einige Kritiker*Innen, sondern auch Jason Blum (Blumhouse Productions) beeindrucken – beauftragte dieser Thomas mit der Adaption des Steven King Romans Feuerkind.

In THE VIGIL – DIE TOTENWACHE hat sich Yakov Ronen von seiner jüdisch-orthodoxen Glaubensgemeinschaft abgewandt und besucht eine Selbsthilfegruppe, die aus weiteren Aussteigern besteht.
Yakov hat Probleme sich in der „realen“ Welt zurecht zu finden, Beziehungen aufzubauen und einen Job zu finden. Das Angebot eines alten Weggefährten kommt daher ganz gelegen. Yakov soll als Schomer, die Totenwache für ein Mitglied der Gemeinde abhalten.

© Wild Bunch Germany
© Wild Bunch Germany

Bereits zum Anfang wird klar, dass Yakov mit seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. Ein antisemitischer Vorfall hat ihn traumatisiert und ihn von der Glaubensgemeinschaft abgewandt. Mr. Litvak, für den Yakov die Totenwache abhält, blickt als Holocaust-Überlebender auf eine ebenso schreckliche Vergangenheit zurück.

Mit Bedacht fängt Keith Thomas die Traumata der Beiden ein – stehen die beiden Ereignisse doch sinnbildlich für die gesamte jüdische Gemeinde. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass der Dämon Mazzik nicht nach vorne blickt. Er nährt sich an den Gräueltaten der Vergangenheit und an dem Trauma der Beiden.

© Wild Bunch Germany
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Die Story und das Setting ist recht ungewöhnlich und behandelt einen Kulturkreis, der bisher weniger Beachtung fand. Keith Thomas geht hierbei sehr respektvoll mit dem jüdischen Glauben und der Vergangenheit um. Als Rezipient merkt man, dass Thomas sich intensiv mit der jüdischen Gemeinde auseinander gesetzt hat.

Die Eindrücken bleiben, regen zum Denken an – wenngleich sie eine unangenehme und erdrückend Schwere beinhalten. Diese Schwere ist gerade in der ersten Hälfte des Films enorm effektiv. Der Grusel kommt langsam und schleichend. Die tolle Kamera von Zach Kuperstein tut ihr übriges. Das intelligente Skript verpufft dann allerdings in der zweite Hälfte merklich. Statt des schleichenden Horrors bekommen wir eine wilde Geisterbahnfahrt, ein Jump-Scare nach dem anderen folgt und wird von einem unnötig in die länge gezogenen Score durchdrungen.

Dennoch ist THE VIGIL – DIE TOTENWACHE ein intelligenter und sehr sehenswerter Horrorfilm, der eine wichtige Botschaft vermittelt.

Bloodfest vergibt 3 von 5 Punkten

Kinostart: 23.07.2020
Verleih: Wild Bunch Germany

Trailer: